Ein zukünftiger Klassiker: Rolls-Royce Spectre

| 23 Apr 2026

E-Autos spalten die Meinungen unter unseren Lesern nicht so sehr, als dass sie sie vielmehr in ihrer Ablehnung vereinen – das lässt sich an unserem prall gefüllten Briefkasten ablesen. Machen Sie sich also bereit, denn nun hat der Elektroauto-Trend eine unserer heiligen Kühe erfasst … Und doch gibt es wohl kaum eine Marke, die besser für die Elektrifizierung geeignet ist als Rolls-Royce – ein Unternehmen, das seit mehr als einem Jahrhundert versucht, die Vorzüge eines Elektromotors in seinen Motoren nachzuahmen: müheloses, sofortiges Drehmoment und flüsterleise Raffinesse.

Man braucht nicht lange hinter dem riesigen Lenkrad zu sitzen, um festzustellen, dass die Art und Weise, wie dieses Auto vorankommt, geradezu unheimlich ist.

Schaltet man den „Rolls-Royce-Sound“ aus, ist es fast unheimlich, wenn das fast 3000 kg schwere Fahrzeug mit beängstigender Geschwindigkeit an Fahrt gewinnt – und das in absoluter Stille, da selbst das Echo der eigenen Stimme von der edlen, üppigen Innenausstattung verschluckt wird. All dieses Gewicht kommt dem Fahrverhalten des Rolls-Royce Spectre zugute und glättet Unebenheiten der Straße mit unvergleichlicher Souveränität, obwohl unser Testwagen auf ehrlich gesagt massiven 23-Zoll-Leichtmetallrädern rollt.

Dennoch lässt es jegliche Trägheit hinter sich und beschleunigt mit einem Gefühl für den Anlass, ohne dabei aggressiv zu wirken – trotz der beeindruckenden Leistungsdaten (0–100 km/h in 4,1 Sekunden).

Mit einer Länge von 5475 Millimetern und einer Breite von 2145 Millimetern ist er für einen gemütlichen 2+2-Sitzer riesig, und man könnte ihm verzeihen, wenn man erwartet, dass er sich wie ein Schiff fährt. Doch obwohl man sich seiner Größe stets bewusst ist, ist der Spectre auf Landstraßen bemerkenswert flink, sofern die Straße breit genug ist. Die Hinterradlenkung sorgt für Agilität, und man spürt, wie die adaptiven Luftfedern und Dämpfer sowie die aktiven Stabilisatoren nach anfänglichem Schwanken daran arbeiten, die Masse des Fahrzeugs zu kontrollieren. Die Lenkung, die in der Stadt so leichtgängig ist, reagiert schnell und ist auf der Straße gut ausbalanciert, und alle Bedienelemente fühlen sich wunderbar dosiert an.

Das Design kaschiert geschickt diese gigantischen Ausmaße: Es handelt sich um eine moderne, elegante Skulptur mit einer exquisiten Verarbeitung.

Der Innenraum des Rolls-Royce Spectre ist wahrlich ein ganz besonderer Ort, wenn auch nicht besonders geräumig – wenn man deutlich über 1,80 Meter groß ist, sorgen der doppelwandige Boden (in dem die Batterien untergebracht sind) und die tief gepolsterten Sitze dafür, dass man dem wunderschönen „Starlight“-Dachhimmel (eine Option für 18.000 Euro) ganz nah kommt.

Doch dieses Detail begeistert – nicht zuletzt, wenn man eine vereinzelte Sternschnuppe über die Decke huschen sieht. Ja, wirklich. Auch für Fans der Klassiker gibt es kleine Details: die Lüftungsregler im Orgelregister-Stil; die Lichtschaltertafel, die eine moderne Interpretation derjenigen eines Silver Cloud darstellt; oder der gekrönte Gangwahlhebel, der sich anfühlt, als stamme er direkt aus einem Silver Shadow.

Dann ist da noch dieser eindrucksvolle Blick über den „Fußballplatz“ der Motorhaube hinweg auf die „Spirit of Ecstasy“. Mit einer Reichweite von weniger als 400 km im realen Fahrbetrieb setzt der Rolls-Royce Spectre zwar keine neuen Maßstäbe, wie man es angesichts des Preises erwarten könnte (nur wenige Käufer werden weniger als 450.000 € bezahlen), aber er vermittelt ein unvergleichliches Gefühl der Zufriedenheit. Er ist großartig, meisterhaft und – was am wichtigsten ist – er sorgt dafür, dass man sich rundum wohlfühlt.

Wie kann man das in Geld ausdrücken?


 
 
 

Fakten

  • Antrieb: zwei separat erregte Synchronmotoren, 120-kWh-Lithium-Ionen-Batterie; 577 PS; 895 Nm
  • Getriebe: Ein-Gang-Automatik, Allradantrieb
  • 0–100 km/h 4,1 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
  • Preis ab 380.000 € (Deutschland)

 
 
 

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