Es kommt nicht oft vor, dass man ein Auto findet, dessen Geschichte Gerüchte über eine Verstrickung des KGB, Kartenspiele um hohe Einsätze, Filmruhm und sogar eine vage Verbindung zu Wladimir Putin beinhaltet. Doch dieser Mercedes 300SL verbrachte die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens in der Sowjetunion – ein technologisches Wunderwerk der westlichen Welt, das hinter den Eisernen Vorhang gelangte, zu einer Zeit, als Nikita Chruschtschow für den seiner Meinung nach bevorstehenden Sieg des Kommunismus über den Kapitalismus eintrat.
Allein seine Anwesenheit dort auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges ist schon eine Geschichte für sich. Ebenso wie die Tatsache, dass er schließlich nach Deutschland zurückgebracht und restauriert wurde und nun von seinem derzeitigen Besitzer, Anatoly Evdokimov, in makellosem Zustand gehalten wird. Evdokimov, ein junger Russe, der schnell und leidenschaftlich über Oldtimer spricht, hat sich mit Begeisterung der Herausforderung gestellt, bei diesem speziellen 300SL Fakten von Fiktion zu trennen.
„Mein Vater war ein begeisterter Autofahrer“, erklärt er. „Ein wirklich guter. Er setzte mich hinter das Steuer – eines Lada –, als ich sechs Jahre alt war. Das verschaffte mir nicht nur einen ordentlichen Adrenalinkick, sondern brachte mir auch das Fahren bei, ganz ohne Servolenkung. Ich saß auf seinem Schoß, er schaltete die Gänge und ich lenkte. Von diesem Moment an unternahmen wir viele Ausflüge. Ich war von Autos begeistert.