Die Behauptung, dass die besten Lancias immer die Limousinen waren, ist nicht besonders originell. Wahre Kenner der Marke haben das schon immer gewusst. Das Problem ist, dass menschliche Eitelkeit die fein ausgeprägten Feinheiten der Kennerschaft oft übertrumpft, wenn es um Oldtimer geht. Deshalb werden die Raffinesse, die Subtilität und die Eleganz dieses elegant-schlichten Aurelia B12 – des letzten und wahrscheinlich besten der viertürigen Aurelias – in der oft wiederholten Geschichte der erhabensten Lancias immer die untergeordnete Rolle spielen.
Das soll nicht heißen, dass das B20 Coupé und der B24 Spider ihren Status nicht voll und ganz verdient hätten: Sie strahlen Glamour aus, bieten atemberaubende Werte und verfügen über jene Art von Schönheit, die jeden hinter dem Steuer gut aussehen lässt.
Doch selbst wenn man all das berücksichtigt, ist es schwer nachvollziehbar, warum die zweitürigen Varianten von einer Aura der Ehrfurcht umgeben sind, während der hervorragende viertürige Werkswagen weitgehend unbekannt bleibt. Wenn man mehr als 70 Jahre zurückblickt, war der neue Lancia Aurelia, der 1950 als B10 mit 1754-cm³-Motor auf den Markt kam, auf dem neuesten Stand der Pkw-Technik – und wahrscheinlich die am meisten bewunderte Serienlimousine in Europa.